Bericht zur Veranstaltung „Verbrannte Worte“ – Hommage an die Autorinnen und Autoren 1933 – 45 verfemter Literatur
München, Kultur- und Bürgerzentrum Pelkovenschlössl, 10. Mai 2026, Beginn: 18 Uhr.
‚Verbrannte Worte‘ war das für uns Autoren besonders berührende Thema unserer Veranstaltung am Sonntag, den 10.05., im Pelkovenschlössl Moosach.
Dies auch deshalb, weil wir genau am Jahrestag der NS Bücherverbrennung, den 10.05.1933, unser Gedenken mit unseren Texten, mit Musik und Bildern begehen konnten.
Dafür gebührt unser herzlicher Dank der freundlichen Aufnahme und allgegenwärtigen Unterstützung durch die Leiterin des Pelkovenschlössls, Frau Schönfeld-Knor.
Um 18:00 Uhr startete unser Programm; von Beginn an lag eine besondere Stimmung über dem zahlreich erschienenen Publikum, still und erwartungsvoll.
Zu Beginn hörten wir ein traditionelles bulgarisches Stück von unseren Musikerinnen Regina Willecke und Sabine Beyer: Dichava Chava.
Unsere Moderatorin Cony Lohmeier gab eine kurze Einführung ins Programm und stellte den FDA AK Lyrik vor.
Wolfgang Knittel las im Sinne eines Geleitworts des FDA Bayern den von ihm verfassten Appell ‚Feder und Blatt‘. Es ist ein sehr nachdenklich stimmender und dringlicher Aufruf, gerade in der jetzigen Zeit auf unsere Demokratie zu achten….
Horst Oberbeil gab eine kurze historische Einführung dazu, wie lange es in der Geschichte schon Bücherverbrennungen gab und immer noch gibt, immer in dem schrecklichen Bestreben, unliebsames Kulturgut zu vernichten.
Ruth Neureiter, Malerin und Autorin, stellte dem Auditorium ihr malerisches Werk ‚Schreibspuren – Hommage an die Dichter der verbrannten Bücher‘ von 2010 vor.
Die Farbe Rot, Spuren von Asche, die Schreibspuren und die Verbindung der 12 Bildelemente erwachten durch ihre Worte zum Leben, Texttafeln vervollständigten die eindrucksvolle Würdigung der verfemten Autor:innen.
Es folgte stimmungsvolle und berührende Musik von Georg F. Händel, Lascia ch´ io pianga, eine Arie aus der Oper „Rinaldo“. Karolina De Valerio sang und Sabine Beyer spielte Klavier.
Nun kam der erste Teil der gespannt erwarteten Lesungen zu den ausgewählten Autor:innen.
Veronique Dehimi begann mit einer bemerkenswerten Persönlichkeit: Else Lasker-Schüler. Sie schilderte das bewegte Leben und las eines der Gedichte der Autorin, danach drei ihrer eigenen Werke als Antwort auf dieses Leben und diese Lyrik – stimmig und bildstark.
Kathrin Sydow begleitete Stefan Zweig, den großartigen Erzähler, mittels seiner Biografie durch sein Leben und ließ die Zuhörer teilhaben an seinem vielfältigen Erleben und den schweren Zeiten, durch die er gehen musste.
Gabriele B. Hartl war der großartigen Bertha von Suttner und ihrem Leben so intensiv verbunden wie den Gefahren, aber auch den Chancen der heutigen Zeit – Mahnerin und Kämpferin von Format.
Annedore Hirblinger sprach über Gertrud Kolmar – ein literaturhistorischer Hauch wehte durch ihre Schilderungen. Es wurde klar, wie virtuos, expressiv und wirklich bedeutend diese Schriftstellerin war, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde.
Erich Kästner wurde den Zuhörern durch Wolfgang Knittel nähergebracht, wer erinnert sich nicht gern an seine bekannten Werke! Man verstand nun, warum Kästner trotz schlimmer Erlebnisse zur NS Zeit nicht emigrierte, und wurde wieder neugierig auf noch nicht Gelesenes von ihm.
Ein musikalisches Charakterstück von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seiner unverkennbaren romantischen Ästhetik beendete diesen ersten Lesungsteil.
Im zweiten Teil der Lesung nahm Christine-M. Hoffmann das Publikum mit zu einem Treffen mit Hilde Domin, der ‚Widerständigen‘, wie sie sie liebevoll taufte. Sie schilderte u.a. eindrucksvoll lange Zeiten von Flucht und Exil, und so war die Lyrik Domins dichterische Zuflucht.
Karolina De Valerio erzählte von Mascha Kaléko, die als Lyrikerin der ‚Neuen Sachlichkeit‘ zugerechnet wurde. Kaléko schrieb über Einsamkeit und Heimweh so leicht und doch melancholisch, dass einem beim Zuhören das Herz schwer wird.
Gerty Spies‘ Werk ist ein zutiefst erschütterndes, wie Cony Lohmeier vermitteln konnte. In ihren dunkelsten Jahren im KZ Theresienstadt ihre Würde zu bewahren und in Literarisches zu verwandeln, ist Teil ihres Vermächtnisses für unsere Zeit.
Horst Oberbeil sprach frei und bildhaft über den ewigen Bayern Oskar Maria Graf, den seine stets unbeirrbare Menschlichkeit auszeichnete. Er war beispielsweise sehr bekannt für scharfsinnige Analysen, unter anderem über den Faschismus.
Die Musik zum Ausklang dieser intensiven Lesungen war:
Shalom, Chaverim – Frieden, Freunde.
© Kathrin Sydow, 2026
Stimme aus dem Publikum:
Viele Erinnerungsinitiativen halten das Gedenken jährlich am 10. Mai mit Lesungen aus den verbrannten Büchern verfolgter AutorInnen aufrecht. Diesmal also auch der Münchner FDA-Arbeitskreises „Lyrik im öffentlichen Raum”: Es können gar nicht genug sein, damit kein Gras über die Geschichte wächst!
Das Pelkovenschlößl gab einen würdigen und heimeligen Rahmen, um das Ungeheuerliche nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Für mich war es beeindruckend zu erfahren, wie die damaligen AutorInnen der Situation trotzten und einige sogar erst anfingen zu schreiben, als sie schon interniert waren und ihnen klar sein musste, wie es ausgehen wird. Woher nahmen sie nur diese Hoffnung?
Die von den FDA Mitgliedern gut beleuchteten einzelnen Schicksale ließen einige innerliche Tränen fließen und machten fassungslos bis zur Erkenntnis: Wie gut wir gerade jetzt unsere kostbare Demokratie und Meinungsfreiheit schützen müssen. Danke dafür! Und auch dafür, dass ich Lust bekam, von den an diesem Abend zitierten verfolgten AutorInnen mal wieder etwas zu lesen.
Zur Erinnerung an diesen Abend:
‚…nur Schall blieb und Rauch, als die Worte verglühten,
die klugen und wahren, die guten und schönen.
Die Asche erinnert an sinnloses Wüten.
Ist Freiheit der Rede nur fruchtloses Sehnen?
Wer blieb damals standhaft? Wer wäre es heute?
Was, wenn man ‚nie wieder‘ zu fordern sich scheute?..‘
Aus: Feder und Blatt; © Wolfgang Knittel, 2026
- Kathrin Sydow
- FDA AK Lyrik
