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Zum Tod von Horst Oberbeil

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Der Freie Deutsche Autorenverband Bayern trauert um Horst Oberbeil, der am 14. Juli 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Horst gehörte zu den Urgesteinen des FDA, war lange Jahre stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Bayern und zuletzt als „Elder Statesman“ Beisitzer im Vorstand. Seine Leidenschaft galt neben der Musik vor allem der Literatur. Acht Gedichtbände, zwei Bände mit Kurzgeschichten und einen Roman in Episoden hat er veröffentlicht. Bis zuletzt hat Horst sich aktiv im „Arbeitskreis Lyrik im öffentlichen Raum“ des FDA Bayern engagiert. Ideen hatte er noch viele: einen Roman über Clara Schumann hatte er bereits begonnen, ein letzter Gedichtband ist in der Umsetzung und gerne hätte er noch einen Vortrag über die Literaturgattung des Librettos auf einem der monatlichen Treffen des FDA gehalten. Doch leider ging seinem Herzen die Kraft aus. Seine letzten Tage gestaltete er wie seine Gedichte – mit klarem Kopf und einem Augenzwinkern, wie er es immer gerne getan hat:

Letzter Wille

Das Leben klammert sich an die Sekunde,

bevor es fällt.

Eine lange Nacht und

ein langer Tag stehen bevor.

Mein Herz,

hör auf zu schlagen und

bring mich in den Himmel,

wenn noch Platz da ist.

Horst Oberbeil hinterlässt eine Lücke. Seine tiefe Kenntnis der Literatur und sein feiner Humor fehlen uns. Wir werden ihn nicht vergessen.
Der Vorstand dankt seinem langjährigen Mitglied für seine Kollegialität und Treue.

Ein persönliches Wort als Dank für viele gemeinsame Jahre: Als ich vor mehr als 25 Jahren in den Freien Deutschen Autorenverband eingetreten bin, war Horst bereits stellvertretender Vorsitzender. Über all die Jahre, nachdem ich zum Vorsitzenden des Landesverbands gewählt wurde, war er mit Ideen und Rückhalt an meiner Seite. Gemeinsam haben wir im Vorstand des Verbands viele Wege geebnet, Hürden überwunden und um Zusammenhalt und gute Literatur gerungen. So ist aus einem Kollegen ein Gefährte geworden, ein hoch geschätzter Autor, ein Vertrauter und ein Freund. Ein FDA ohne Horst ist für mich nur schwer vorstellbar und ungewohnt. Wir werden ihn und seine Literatur in Ehren halten.
Franz Westner, Präsident des Freien Deutschen Autorenverbands und Vorsitzender des Landesverbands Bayern.

Der Arbeitskreis Lyrik im öffentlichen Raum kannte und liebte sein Mitglied Horst Oberbeil als hochgebildeten, fachkundigen und feinsinnigen Literaten, als bild- und wortgewaltigen Lyriker und vor allem als guten Menschen: immer bescheiden und freundlich zu jedermann.

Wir verabschieden uns von ihm mit lyrischen Grüßen:

Christian Doerge

Die Grammatik des Sterbens

15. Juli 2026, In Erinnerung an Horst Oberbeil.

Baudelaire steht noch immer am Fenster

und zählt die schwarzen Blüten der Luft…

Kein Engel kommt.

Nur der Mahlstrom,

dieses lautlose Tier ohne Augen,

das Namen verschluckt

und Steine, Stimmen,

ganze Bibliotheken aus Atem…

Du bist ihm nicht gefolgt.

Du bist in ihn eingegangen,

wie Tinte in kaltes Wasser,

wie Nacht in einen Spiegel,

der niemandem mehr gehört…

Die Worte liegen noch da…

Sie haben ihre Körper verloren,

doch ihre Schatten sprechen weiter…

Jeder Vers ein rostiger Nagel

im morschen Holz des Himmels.

Jede Silbe ein Fenster,

durch das der Wind sich selbst beweint…

Baudelaire lächelt nicht…

Er kennt den Geruch

der faulenden Rosen,

die Geduld der Raben,

den Geschmack der Asche,

wenn Erinnerung sich weigert,

Erinnerung zu werden…

Der Mahlstrom arbeitet schweigend…

Langsam dreht er

an der unsichtbaren Schraube der Zeit,

bis selbst die Stimmen

zu dunklem Wasser werden…

Und dennoch…

Zwischen den schwarzen Seiten der Nacht

bleibt eine Zeile zurück,

nicht als Trost,

nicht als Erlösung,

sondern als Beweis,

dass jemand hier gewesen ist,

der das Dunkel nicht beschrieb,

sondern ihm eine Sprache gab…

Jetzt trägt der Wind sie weiter…

Nicht fort…

Nur tiefer…

Gabriele Barbara Hartl

Memento

14. Juli 2026

Schwarz stürzt das Wasser über den Stein,

der Spiegel des Sees glänzt glatt und leer,

vergeblich halte ich Ausschau nach Schwänen.

Doch Mücken tanzen, die Luft vibriert

und im Wehen der Gräser

finde ich deinen hohen Gesang.

Annedore Hirblinger

Ein Abschied

Für Horst

Zur Tagstunde, auf Wegen und Plätzen

zerstreuen sich Menschengruppen,

Begegnungsnetze webend, gedankenvoll.

Mit Elan verknüpftest du Einfühlung

und Erkennen in szenischer Darstellung,

poetisch in Versen nachgezeichnet.

Ich hörte dir zu, eindrücklich deine Worte

bei verhaltenem Lächeln.

Knapp bemessen die Stunden des Austauschs.

Im Verweilen auf schattiger Bank der Sitz

neben mir leer. Beim Blick ins Silberblau

überlagern sich Erinnerungen.

Gelassenheit und Hoffnungsglaube

stärkten dich auf dem Weg zum

Felsentor, dessen Pforte sich nach langer

Nacht langsam wieder verschloss.

Christine-Maria Hoffmann

Für Horst

ein letztes aufbäumen

im schmerz geplagten körper

ein letzter seufzer im letzten atemzug

einer feder gleich deine seele

sich löste vom erdenschwer

gebettet in seidenes weiß

begleitet von engeln ins friedensland

begleitet mit vielstimmigen gedichten

als reiselektüre nur für dich horst

Wolfgang Knittel

Nichts mehr ist wie früher. Denn Du fehlst.

Deine Lebensleistung wird Vermächtnis.

Zum Bedürfnis wird uns Dein Gedächtnis.

Klarheit in den Worten, die Du wählst,

Wahrheit auch, die Du uns nicht verhehlst,

und die Weisheit, gründend auf Erfahrung,

bleiben uns zur ehrenden Bewahrung.

Alles bist Du uns, seit Du uns fehlst.

Cony Lohmeier

Uhlenspiegel

für Horst Oberbeil 16.07.2026

auch jetzt noch

wenn zeilen sich

zusammenrotten

zu dialog zu gedicht

als ersten

frag ich dich

gefällt es dir?

es ist von mir

schau in den spiegel

sagst du und

such darin

die antwort

der schalk der

mir den spiegel hält

trägt verschmitzt

dein gesicht.

Ruth Neureiter

Mit dem Atem

Du kommst mit dem Atem

in diese Welt

begrüßt sie

mit einem Schrei

Wenn du gehst

geht der Atem mit dir

den Leib lässt du zurück

er war dir geliehen

Kathrin Sydow

für Horst

nun bist du fort…

und ich weiß doch so wenig von dir

aber deine Worte sind geblieben

und erzählen von dir

so lebe wohl in deinem Himmel

und ich geh spazieren zwischen deinen Zeilen

Regina Willecke

Abschied

Wenn ein Freund von uns geht

Bleibt er in unseren Herzen

Wie möchte er auf die Erde wiederkehren?

Als Wolf der sein Rudel leitet

als ein Rind das auf einer Weide in den Bergen das satte Gras genießt

Als blaue Libelle die kurz über dem Wasser fliegt und die Schwimmenden umkreist

Als ein Vogel der hoch in die Lüfte fliegt um die Erde von hoch oben zu betrachten

Wie auch immer

Ich wünsche Dir einen guten Übergang.

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